„Programmlich versagt“: Rücktritte beim RBB wegen Gelbhaar-Affäre
In der Affäre um den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar zieht der RBB erste Konsequenzen. Die Programmdirektorin und der Chefredakteur legen ihre Ämter nieder. Strukturelle Verbesserungen wurden angekündigt.
Gelbhaar-Affäre hat Folgen: Rücktritt der Chefetage des RBB
Die fehlerhafte Berichterstattung des rbb über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar hat Folgen: Programmdirektorin und Chefredakteur treten zurück. […]
Demmer ließ weiter wissen, dass die substanziellen und unmissverständlichen Konsequenzen aus der fehlerhaften Berichterstattung und der Aufarbeitung sicherstellen sollen, dass die hohen Standards, die der rbb hat, auch wirklich angewandt würden. Der Anspruch des rbb sei, das uneingeschränkte Vertrauen des Publikums in die unabhängige, unvoreingenommene und verlässliche Berichterstattung des rbb wieder herzustellen. […]
Über die zukünftigen Aufgaben von Katrin Günther und David Biesinger ist der rbb laut eigener Auskunft mit beiden im Gespräch. […]
Laut dem rbb liegt seit dem 5. März eine 19-seitige erste Zusammenfassung der Untersuchung vor. Die etwa 100 Seiten starke finale Version ist für Ende März angekündigt.
https://taz.de/Gelbhaar-Affaere-hat-Folgen/!6075862/
Im Sender hatte es wegen Biesingers Rolle in den vergangenen Wochen rumort, weil er keine Verantwortung übernehmen wollte. Der Redaktionsausschuss forderte mehrfach Konsequenzen und nahm auch die Rolle des Chefredakteurs ins Visier. Zugleich machten im Sender erste Hinweise die Runde, dass Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf Bieisingers Ablösung drängten. […]
Unter RBB-Mitarbeitern in der Redaktion wurde am Freitag per Handy viele Nachrichten verschickt. Das häufigste Emoji: Sektgläser und Sektflasche mit knallenden Korken.
Der Journalistenverband DJV Berlin – JVBB begrüßte die personellen Konsequenzen. Damit dürfe die Aufklärung in eigener Sache aber nicht vorbei sein, sagte der Verbandsvorsitzende Steffen Grimberg: “Jetzt muss der Bericht der externen Prüfung der Vorgänge schleunigst auf den Tisch – selbst wenn die Endfassung noch in Arbeit ist. Das gebietet der Respekt vor den Mitarbeitenden und den Gremien des RBB.”
https://medien.epd.de/article/2776
Wegen der falschen Berichte des RBB über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar treten Programmdirektorin Günther und Chefredakteur Biesinger zurück. Damit sollte die Aufklärung des Skandals aber erst beginnen. […]
Demmer hatte vor dem Rundfunkrat des Senders Mitte der Woche gesagt, der Bericht der Untersuchungskommission zum Gelbhaar-Skandal werde „Konsequenzen“ haben. Eine Konsequenz hätte sein können, dass Günther und Biesinger von ihren Posten abgelöst werden. Dem kommen sie per Rücktritt zuvor.
Bei der Sitzung des Rundfunkrats hatte es so ausgesehen, als könne sich das mit den „Konsequenzen“ noch hinziehen. […]
Sprechen sollte der RBB in der Tat nicht nur, aber doch auch über Köpfe und über Strukturen. Denn im Fall Gelbhaar haben wir es mit einem Systemversagen zu tun. […]
Mit den Rücktritten dürfe die „Aufklärung in eigener Sache“ nicht vorbei sein, sagt der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) Berlin – JVBB, Steffen Grimberg. Jetzt müsse „der Bericht der externen Prüfung der Vorgänge schleunigst auf den Tisch – selbst wenn die Endfassung noch in Arbeit ist.“
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ruecktritte-nach-dem-gelbhaar-skandal-beim-rrb-110358679.html
Erst Anfang der Woche hatte die RBB-Intendantin Ulrike Demmer in der Aufklärung der Causa Gelbhaar um etwas Geduld gebeten und gesagt: „Das sind Prozesse, die hochkomplex sind.“ Natürlich sind viele eklatante Fehler in ihrer Entstehung komplex. So fragt sich beispielsweise immer noch, ob es nur der Wunsch nach einer reißerischen Story war, die den RBB zur Ausstrahlung der Gelbhaar-Vorwürfe gebracht hat. Oder ob es vielleicht Fürsprecher einer solchen Enthüllung gab, die aus anderen Motiven handelten?
Aber auch für komplexe Probleme kann es klare Lösungen geben. Die haben Günther, Biesinger und Intendantin Demmer heute gefunden. Der nächste Schritt ist die Offenlegung der Hintergründe des Skandals.
Wer Chefredakteur oder -redakteurin wird, muss sich deshalb nicht nur bei “Recherchen dieser Tragweite”, sondern grundsätzlich in alles einschalten können, allein aus Selbstschutz. Das hinzubekommen und den verschiedenen Redaktionen gleichzeitig das Gefühl der redaktionellen Freiheit und die Rückendeckung zu geben, die es braucht, um heikle Recherchen journalistisch und juristisch sauber veröffentlichen zu können, gehört zu den Kernkompetenzen eines Chefredakteurs und einer Programmdirektorin. […]
Biesinger war bereits Chefredakteur unter Schlesinger. Er hat das alles aus nächster Nähe erlebt, gilt manchen im RBB als belastet. Ob er nun freiwillig geht oder zum Rücktritt ermutigt wurde, um zumindest diese “Causa” schneller zu beenden, ist zwar machttektonisch interessant, aber zur Heilung der Angelegenheit von untergeordneter Bedeutung.
Viel wichtiger ist, dass der Abschlussbericht der Expertenkommission öffentlich wird, um aus dem Versagen zu lernen. Datenschutzrechtliche Bedenken lassen sich beseitigen, diesbezüglich relevante Stellen schwärzen. Da ist viel möglich, wenn man Transparenz wirklich will.
Quelle: DIMBB Medien